Samstag, 14 Oktober 2017 18:32

Der ideale zweite Mann

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Ihre Eigeninteressen zugunsten anderer hinten anzustellen, das schaffen gerade im Sport nur ganz wenige Menschen. Einer davon ist Marco Helmers von der FSV Hesedorf/Nartum. Der 34-jährige Torhüter des Fußball-Bezirksligisten lässt lieber Nachwuchskräften den Vorzug, gibt diesen gerne Hilfestellung. Dass er nichts verlernt hat, zeigte er am siebten Spieltag gegen den SV Lilienthal/Falkenberg, als er Youngster Moritz Meyer vertrat und trotz einer klaren Niederlage viel Lob vom Trainer-Team und der Mannschaft erhielt.

Bericht aus der Zevener Zeitung vom 14.10.2017 von Manfred Krause

Ich stelle mich gerne in die zweite Reihe und lasse unseren jungen Torhütern den Vorzug. Denn nur durch Spielpraxis und ein gutes individuelles Training kann eine Entwicklung erfolgen“, findet Marco Helmers, der als Jugendlicher in der JSG Elsli als Feldspieler agierte und eher aus der Not heraus in den Kasten wechselte. „Wir hatten ein akutes Torwartproblem und konnten Marco überzeugen, sich der Aufgabe zu stellen. Als Spieler hatte er nicht wirklich eine Chance, in der Ersten zu spielen. Die bekam er als Torhüter“, berichtet Reiner Pape.

Der damalige Nartumer Trainer sorgte dafür, dass seine neue Nummer eins im Training individuell betreut wurde. „Die Übungseinheiten mit Maik Brüning zeigten Wirkung, eine kontinuierliche Entwicklung war erkennbar. Marco zeigte stets viel Biss und Ehrgeiz, war früher beim Training, wollte sich auch fußballerisch verbessern und arbeitete unter anderem an seinem Pass-Spiel“, so Pape.

Doch es gab auch Rückschläge und Enttäuschungen. Das Relegationsspiel 2008/09 zum Aufstieg in die 2. Kreisklasse sorgte beim heute 34-Jährigen für tiefe Wunden. „Marco hat überragend gehalten und uns durch starke Paraden im Spiel gehalten. Dann lei- I tete er mit einem Kullerball in der Schlussminute die Niederlage ein, der Aufstieg war futsch. Das war ganz bitter und tat nicht nur mir in der Seele weh“, erinnert sich sein Mitspieler und guter Freund Kai Michaelis. Der Tiefschlag saß, doch es haute den gelernten Tischler Marco Hellmers nicht um, der seit seiner Lehre bei der Firma Bernd Klöpper in Nartum beschäftigt ist.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir trotz einer bitteren Niederlage einmal so gut gefeiert haben. Nach dem Spiel ging es richtig zur Sache und alle versuchten Marco aufzubauen. Das gelang perfekt. Das Selbstvertrauen kehrte zurück und sein Ehrgeiz war bald wieder ungebrochen und das mit voller Pulle“, so Michaelis.

Der Aufstieg folgte eine Saison später, wurde jedoch am grünen Tisch perfekt gemacht. „Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Wir hatten eine gute Truppe, in der Spieler wie zum Beispiel Florian Szklarski, Jan-Patrick Müller und Lasse Rosebrock spielten. Es folgte der Durchmarsch bis in die Kreisliga und der fühlte sich richtig gut an“, schwärmt Marco Helmers, der in der letzten Kreisliga- Saison des TuS Nartum (2012/13) mit seinem Konkurrenten Dennis Przigoda um die Position der Nummer eins kämpfte und viele Spiele absolvierte. Danach folgte die Fusion mit dem FC Hesedorf und eine neue Ära begann.

Auch FSV-Trainer André Petersen zeigt sich begeistert von seinem „Standby-Keeper“: „Ich kenne Marco seit der B-Jugend. Er war ein Torwart mit eher weniger Talent als andere. Doch sein Ehrgeiz imponierte. Die Bereitschaft, im Training immer alles zu geben, ist wirklich sensationell. Für die Erfolgsstory der FSV ist er eine ganz wichtige Person, was in der Öffentlichkeit so nicht bekannt ist. Solche Spieler liebt man als Trainer, denn er ist nicht nur in der Kabine ein belebendes Element“, so Petersen.

„Der Zusammenschluss war eine kluge Entscheidung und ein Schritt nach vorne. Denn nur so konnte es sportlich weiter aufwärts gehen“, unterstreicht Marco Helmers. Und der Erfolg stellte sich nur zwei Spielzeiten später mit der Meisterschaft in der Kreisliga ein – mittendrin Marco Helmers. „Nach dem Sieg am drittletzten Spieltag gegen den TSV Gnarrenburg waren wir nicht mehr einzuholen“, so der Keeper, der am letzten Spieltag im Tor stand und nach dem Abpfiff des Derbys gegen Bülstedt/ Vorwerk (5:3-Sieg) die Meisterschale in den Händen hielt. „Danach war Party angesagt, die Mannschaft hatte Großes erreicht“, so der 34-Jährige.

Dass seine Bezirksliga-Truppe in der aktuellen Saison trotz der jüngsten Niederlage sicher durchkommt, davon ist er total überzeugt. „Wir haben zur Zeit arge Verletzungsprobleme, können die Ausfälle nur schwer kompensieren. Ich bin mir sicher, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden und einen einstelligen Tabellenplatz schaffen“, so Helmers, der parallel zum Pflichtspielbetrieb bei den Altherren des Kreisligisten SG Elsli im Tor steht und sich dort die nötige Spielpraxis holt.

Doch einen kompletten Wechsel zu den Oldies wird es in der neuen Saison nicht geben. Das war auch ein Herzenswunsch seiner Frau Janina, die er in diesem Jahr heiratete. Und die gemeinsame Tochter Emma-Sophie (7) hegt den gleichen Wunsch, ist gerne bei den Heimspielen auf dem Sportplatz in Nartum. „Beide haben den Wunsch und den erfülle ich gerne“, sagt Marco Helmers, der neben dem Fußball zwei weitere zeitaufwändige Hobby betreibt. Die Feuerwehr ist ebenso eine Herzensangelegenheit wie das Motorradfahren.

Sein Vater Peter nahm ihn mit ins Spritzenhaus, animierte ihn, sich in der Jugendfeuerwehr zu engagieren. „Ich bin dort mit ein paar Kumpels angefangen und wir haben umgehend eine Gruppe aufgemacht“, erinnert sich Helmers, der in den folgenden Jahren eine beeindruckende Karriere hinlegte. Das Amt des stellvertretenden Ortsbrandmeisters hatte er sechs Jahre inne. Das ist allerdings Vergangenheit. „Ich wollte kein Ortsbrandmeister werden, habe mich zurück genommen“, so Marco Helmers, der den Dienstgrad des Oberlöschmeisters bekleidet.

„Wir hatten einen großen Hausbrand zu bekämpfen, da musste ich rein. Doch das haben wir gut gemeistert“, erzählt der 34-Jährige, der zudem dem Motorradclub „Swamp Fighter“ angehört. „Wir organisieren Motorradtreffen oder machen Touren“, so Helmers, der eine Kawasaki Z 1000 fährt und bei einem Unfall viel Glück hatte, denn alles verlief glimpflich. „Das Motorrad war total kaputt, aber ich bin heil geblieben.“

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